Die Wertschöpfung der Landwirtschaft kann durch die Erzeugung von Energiepflanzen wesentlich verbessert werden. Während sich Raps als Kraftstofflieferant bereits durchgesetzt hat sind Mais, Zuckerrüben, Getreide und andere Energiepflanzen erst im Kommen.
Biogasanlagen
Biogas wird beim mikrobiologischen Abbau von organischem Material gewonnen. Es entsteht, wenn sich Pflanzen, denen keine Luft zugeführt wird, zersetzen und faulen oder gären. Dabei wird Gas freigesetzt, das zum größten Teil aus Methan (50 bis 75 %) und aus Kohlendioxid (25 bis 45 %) besteht. Mit dem Gas lassen sich Strom und Wärme produzieren.
Bei einem Methangehalt von 60 % beträgt der energetische Nutzen eines Kubikmeters Biogas sechs Kilowattstunden, das entspricht 0,6 Litern Heizöl.
Als Ausgangsstoffe für die technische Produktion von Biogas eignen sich: vergärbare, biomassehaltige Reststoffe wie Klärschlamm, Bioabfall oder Speisereste, Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist) und angebaute Energiepflanzen (nachwachsende Rohstoffe).
Die ersten Biogasanlagen auf der Basis landwirtschaftlicher Substrate mit einer Leistung zwischen 200 und 500 kW sind in Betrieb. Der Flächenbedarf für die ersten 4 – 5 Anlagen dürfte bei gut 1.000 ha liegen.
Die strukturellen Voraussetzungen (Anbaustruktur und Viehhaltung) ermöglichen unter Berücksichtigung von Fruchtfolgegesichtspunkten und der konkurrierenden Nahrungsmittelproduktion bei gut 30 000 ha Ackerfläche und knapp 20 000 ha Grünland im Landkreis ein mittelfristiges Biogaspotential von rd. 5 000 ha, davon rd. 3 000 ha Blattfrüchte. Dies würde den Betrieb von 15 bis 20 Biogasanlagen ermöglichen.
Als Substrat dürfte in erster Linie Energiemais (überwiegend als Monosubstrat), Gülle und Getreide/Ganzpflanzensilage eingesetzt werden.
Der Aufwuchs des Grünlandes sowie das anfallende sonstige Schnittgut wird meist nur ergänzend beigemischt, weil hier die Wirtschaftlichkeit auf Grund der geringeren Energieausbeute nur bedingt gegeben ist.
Mit der modernen Anlagetechnik ist es mittlerweile auch möglich Biogas ohne Gülleeinsatz, z. B. allein mit Silomais und/oder Getreide (wirtschaftlich umstritten) zu erzeugen.
Die Produktion von Biogas ist abhängig von Substrat, Trockensubstanzgehalt, Zusammensetzung im Fermenter, Verweilzeiten, Anlagetechnik (Rührtechnik, Blockheizkraftwerksleistung) aber auch von Gärtemperatur und „Fütterungsintervallen“.
Im Hinblick auf die Standortüberlegungen der Anlagen ist der Ostkreis durch seinen hohen Ackerflächenanteil und die vergleichsweise intensive Rindviehhaltung besonders prädestiniert. Hier sind aus landwirtschaftlicher Sicht bis zu 10 Biogasanlagen realisierbar.
Im mittleren Teil des Landkreises mit einem höheren Anteil an Veredlungsbetrieben sind bis zu 7 Anlagen denkbar. Der Westkreis mit nur wenigen viehintensiven Standorten und geringem Ackerbau bietet zur Zeit nur ein geringes Potential von bis zu 3 Anlagen.
Voraussetzung im Hinblick auf die Standortüberlegungen ist neben der Bereitstellung des Substrates und seiner Verwertung als Dünger (kleinräumlicher Nährstoffkreislauf) auch die wirtschaftlich sinnvolle Nutzung der anfallenden Prozesswärme, insbesondere in öffentlichen Gebäuden im nahen Umfeld der Anlagen.
Die Konditionen für die Bereitstellung dieser Wärme sind im Einzelfall auszuhandeln. Die Energiekosten für Abnehmer lassen sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen gegenüber Heizöl möglicherweise bis auf die Hälfte reduzieren.
Bei Ausnutzung des gesamten Biogaspotentials unseres Landkreises ist eine Bruttoleistung von 150 Mio. kW, davon ca. 50 Mio. kW Stromeinspeisung und ca. 40 Mio. kW Wärmefreisetzung verfügbar. Allein die Wärmenutzung würde rd. 4 Mio. Liter Heizöläquivalent betragen und damit z.B. über 2.000 Haushalte versorgen können.
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